Die Ostéopathie

BERLIN

EINLEITUNG.

Was den menschlischen Körper charakterisiert, ist die Bewegung. Was die Gesundheit charakterisiert, ist das Gleichgewicht. Das Ziel der Osteopathie ist, das Gleichgewicht in allen Funktionen des menschlischen Körpers wiederherzu-stellen. Es ist zugleich eine Kunst, eine Wissenschaft sowie eine Technik. Der Osteopathe benutzt ein einziges Werkzeug, seine Hände, und verschreibt kein chemisches Arzneimittel.

GESCHICHTE.

Die Osteopathie ist keine neue Wissenschaft. Sie wurde im letzten Jahr-hundert in den Vereinigten Staaten zu einer Struktur aufgebaut von Andrew Tailor STILL, der einer der ersten war, der den Zusammenhang zwischen der Gesundheit und dem Gleichgewicht im menschlischen Körper verstand.
In den amerikanischen Schulen ausgebildet haben dann die englischen Osteopathen ihre Kenntnisse den Europäern übermittelt.

ZUGLEICH KUNST, WISSENSCHAFT UND TECHNIK.

Eine Kunst, weil die Osteopathie von talentierten Menschen ausgeübt wird, die sich auf ein philosophisches Konzept und ihre Einfühlung stützen, um in dem menschlischen Körper alle Störungen und Spannungen aufzuspüren, die sie durch ihren besonderen Tastsinn auflösen, denn darin liegt ihre Begabung.
Dieser besondere, genaue Tastsinn ist der Grundsatz der Osteopathie. Der Osteopathe ist immer auf der Suche nach der kleinsten aber wohltuenden Geste.
Die Osteopathie ist auch eine Wissenschaft. Sie bezieht sich auf die Anatomie sowie auf die Physiologie. Sie beruht auf spezifischen Kompetenzen, einer tiefen Kenntnis des menschlischen Körpers und der Wechselwirkung seiner verschiedenen Systeme.
Die Osteopathie ist auch eine Technik. Es ist ausschliesslich eine Handtherapie, so steht sie im Gegensatz zur klassischen Medizin. Sie wurde intuitiv von den Menschen seit Jahrhunderten ausgeübt… seit Oberägypten, Hippocrates aus Cos in Griechenland, Galen in Roma, Avicenne im Iran im Jahre 1000.
Ihre Prinzipien, Methoden und Wirkungsbereiche sind heute gut bekannt und anerkannt.

DIE PRINZIPIEN: EINIGE GRUNDSÄTZE.

Was den Körper betrifft:

  • Der Mensch versucht in jedem Alter und zu jeder Zeit seinen Blick waagerecht zu halten, was der Grundsatz für sein Gleichgewicht auf dem Boden ist.
  • Alle Strukturen des menschlischen Körpers, lebendige Gewebe, Organe, Gelenke, Muskeln… hängen voneinander ab. Hinter einem Symptom kann sich eine alte oder neue Ursache, eine Störung weit weg von der Schmerzregion verstecken. Niemand ist erstaunt, sich durch die Füsse zu erkälten, warum sollte man staunen, wenn ein Osteopathe uns sagt, dass unser Nakenschmerz von unserem Fuss oder von einem Fussknochen kommt.
  • Der menschliche Körper, merkwürdiger Zusammenhang von Fluiden, Energien, Kräften, Mechanismen und verschiedenen Strukturen, besitzt in sich selbst alle Fähigkeiten, sein Gleichgewicht selber wiederherzustellen und wieder gesund zu werden, wenn man nur die richtige Ursache der Störungen und Leiden aufspürt und wenn man dem Körper mit der “Minimalgeste” zur Hilfe kommt.

Was die Nerven, die Psychologie, das Funktionieren betrifft:

  • Körperliche und psychologische Aggressionen, ungeeignete Behandlungen, Stress… so viele Schocks, Microtraumen, die das Gleichgewicht des Menschen zu jeder Zeit erschüttern, seine Gesundheit beeinträchtigen, seine Genesung verhindern, psychologische und körperliche Schmerzen zur Folge haben. Sagt man ei-gentlich nicht: es liegt mir im Magen, es schnürt mir die Kehle zu, ich habe schon genug auf meinem Buckel…

IMMER MEHR PATIENTEN.

Der Osteopathe wird von immer mehr Patienten unterstützt. In Frankreich werden 45 000 Personen pro Tag von einem Osteopathen behandelt. Insgesamt sind es also 4 Mio Personen und 11 250 000 Sprechstunden pro Jahr. 46% der Franzosen kennen schon den Osteopathen, 17% haben sich schon von ihm behandeln lassen.
Die Patienten der Osteopathen sind am meisten Frauen, die mehr besorgt um Verbeugung und langes Wirken sind, die mehr Wert auf “natürliche” Therapien legen. Aber alle sind entschlossen, ihre Gesundheit in die Hand zu nehmen.
Es sind oft Sportamateure oder Leute, die viel im Büro sitzen, Leute, die in ihrer Arbeit einer besonderen Gefahr ausgesetzt sind (Lkwfahrer, Tänzer, Verkäufer, weil sie viel stehen, …), Unfallsopfer, Leute, die in ihrem Körper leiden.
Der Osteopathe behandelt behinderte oder nicht behinderte Kinder, Säug-linge (Schädel-Osteopathie), ältere Leute, ganze Familien, die ein gemeinsames Ziel haben: gesund zu bleiben.

WER IST DER OSTEOPATHE ?

Es gibt in Frankreich ungefähr 600 Osteopathen, die eine Praxis haben. Heutzutage können sich nur Ärzte und Krankengymnastiker für die Kurse ein-schreiben lassen, die von “La Collégiale Académique” (d.h. die zuständige Instanz für Osteopathie) und dem Register der französischen Osteopathen genehmigt sind, um erfahrene Spezialisten zu werden. Die staatliche Prüfung wird von französischen und ausländischen Therapeuten und Professoren abgehalten.
Seit zwanzig Jahren hat sich dieser Beruf organisiert: eine französische Abteilung der internationalen Instanz für Osteopathie sowie das Register der französischen Osteopathen wurden geschaffen, ein Register, das einzig und allein die Ethik, die Kompetenzen und die Verantwortung der Osteopathen garantiert.
Zuletzt wurde der Verein der französischen Osteopathen gebildet, der die Vertreter der neun Regionen Frankreichs unter dem Namen “Osteopathes de France” versammelt.

EINE BILANZ, EINE SPEZIFISCHE METHODE.

Jedes Jahr wenden sich in Frankreich 300 000 neue Personen an einen diplomierten Osteopathen. Diese Leute wenden sich an den Osteopathen nach vielen unwirksamen Behandlungen, manchmal auf Anraten eines Arztes.
Der Osteopathe wird also eine vollständige Bilanz ziehen, dem Patienten Fragen, über seine Geschichte, seine Lebensbedingungen, die biologischen Untersuchungen oder Röntgenaufnahmen, die er schon gemacht hat stellen, um die wirkliche Ursache des Leidens zu finden. Dank seiner sicheren Hand wird er den “Urpunkt” aufspüren, der alle Spannungen im Körper verursacht, die die Beweg-lichkeit des Patienten einschränken.
Wie ein Uhrmacher wird er alle Teile dieses komplizierten Räderwerks untersuchen, sie sorgfältig, eines nach dem anderen, einander anpassen und reparieren.
Wie ein Spezialist wird er darauf aufmerksam sein, das ganze nicht zu sehr zu beanspruchen, er wird immer auf der Lauer sein, Schritt für Schritt weiterarbeiten und versuchen, eine Antwort vom menschlichen Körper zu bekommen. In einigen Fällen wird er warten müssen.

VIELE WIRKUNGSBEREICHE.

Während die traditionnelle Medizin mit Hilfe von chemischen Stoffen die verschiedenen Systeme im menschlischen Körper beruhigt oder stimuliert, versucht es der Osteopathe nur mit seiner Hand. Es betrifft:

  • alle Gelenke: Fuss, Knöchel, Kieffer, Schädel, Wirbelsäule…
  • alle lebendigen Gewebe: Blut, Lungen-, Nerven-, Knochengewebe…
  • alle Organe: Leber, Blase, Darm…

Man sucht den Osteopathen wegen Unbehagen oder allerlei Schmerzen (Nervenschmerzen, Gelenkschmerzen…) auf. Er behandelt auch Störungen der Verdauungs-, der Atmungs- und Geschlechtsorgane. Aber er behauptet nicht, alles kurieren zu können (z.B. Tetanus, Krebs, Tuberculosis…). Im Gegensatz dazu ist seine Effizienz in allen oben genannten Bereichen anerkannt